EUDR in Deutschland: Sorgfaltserklärung für Waldbesitzer — Fristen, Geodaten, Ablauf
Aktualisiert: 18. September 2026
Wer in Deutschland Rundholz oder Brennholz aus dem eigenen Wald verkauft, bringt es im Sinne der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) in Verkehr — und braucht dafür ab dem 30. Dezember 2026 eine Sorgfaltserklärung im EU-Informationssystem. Das gilt auch dann, wenn die Ernte nach dem Landeswaldgesetz keine Genehmigung brauchte.
Für die typische deutsche Situation — kleiner Privatwald, Ernte ohne Bescheid, Vermarktung oft über eine Forstbetriebsgemeinschaft — gibt es Erleichterungen, aber auch Stolpersteine. Dieser Leitfaden geht sie durch: Zuständigkeit, Fristen, Genehmigungsfrage, Geodaten des Flurstücks, Inhalt der vereinfachten Erklärung und der Ablauf im EU-System.
Videos: EUDR Schritt für Schritt
Die Videos sind mit Beispielen aus Österreich gedreht (Katastralgemeinde, Grundstücksnummer). Der Ablauf im EU-System ist in Deutschland derselbe — was bei Flurstück, Nachweis und Behörde anders ist, steht in diesem Leitfaden.
Das Wichtigste in Kürze
- Stichtag für Holz: 30. 12. 2026 — für Privatwaldbesitzer ebenso wie für Forstbetriebe jeder Größe. Der spätere Termin 30. 6. 2027 betrifft nur Kleinst- und Kleinbetriebe außerhalb des Holzsektors.
- Erklären muss, wer das Holz zuerst in Verkehr bringt: beim Verkauf von Rundholz an Sägewerk, Händler oder Brennholzkunden sind das Sie als Waldbesitzer.
- Als Kleinst- oder Kleinbetrieb (Primärproduzent, Deutschland = geringes Risiko) reicht eine vereinfachte Erklärung — einmal abgegeben, dauerhaft gültig, nur bei wesentlichen Änderungen zu aktualisieren.
- Eine Genehmigungsnummer ist nicht Voraussetzung: War die Ernte genehmigungsfrei, wird genau das in der Erklärung vermerkt.
- Die Lage der Fläche kann über Gemarkung und Flurstück angegeben werden — Koordinaten sind eine Alternative, keine Pflicht.
- Zuständige Behörde ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), die schon die EUTR überwacht hat.
- Brennholz, das Sie selbst verheizen, wird nicht in Verkehr gebracht und braucht keine Erklärung.
Worum es bei der EUDR geht
Die Verordnung (EU) 2023/1115 („EUDR"), geändert durch die Verordnung (EU) 2025/2650, knüpft das Inverkehrbringen von Holz an zwei Nachweise: Die Fläche wurde nach dem 31. 12. 2020 nicht entwaldet, und die Ernte war nach dem Recht des Erzeugungslandes legal. Dokumentiert wird beides in einer Sorgfaltserklärung, die im EU-Informationssystem eine Referenznummer erhält und den Verkauf begleitet.
Die EU-weiten Grundlagen — Pflichten der Sägewerke und Händler, Aufbewahrungsfristen, Kosten — sind auf der EUDR-Seite gesammelt: Grundlagen, Funktionen des EUDR-Moduls und allgemeine Fragen →
Zuständigkeit und Fristen in Deutschland
In Deutschland überwacht die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) die Einhaltung der EUDR — dieselbe Behörde, die bisher für die Holzhandelsverordnung (EUTR) zuständig war. Weil der Holzsektor schon unter der EUTR stand, gilt der Stichtag 30. 12. 2026 hier für alle Betriebsgrößen; die Schonfrist bis Mitte 2027 hilft deutschen Waldbesitzern nicht.
Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) hat im August 2026 den Entwurf einer Allgemeinen Verwaltungsvorschrift (AVV) vorgelegt, die zum 30. 12. 2026 in Kraft treten soll. Zwei Punkte darin sind für Kleinwaldbesitzer wichtig: Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse sollen eine gemeinsame Sorgfaltserklärung für das Holz ihrer Mitglieder abgeben dürfen, und kleine Erzeuger sollen statt Geodaten die Postanschrift des Betriebs mit nationaler Identifikationsnummer angeben können.
Sägewerke und Händler erstellen keine eigene Erklärung — unabhängig von ihrer Größe (Änderung der Verordnung vom Dezember 2025). Ihr direkter Abnehmer übernimmt Ihre Referenznummer bzw. Erklärungskennung, bewahrt sie fünf Jahre auf und gibt sie weiter; größere Abnehmer (Nicht-KMU) müssen sich im EU-System lediglich registrieren. Alle brauchen also Ihre Nummer: Holz, für das ein Waldbesitzer keine Referenznummer liefert, dürfen sie nicht weiterverkaufen.
Genehmigungsfreie Ernte — Landeswaldgesetze und die EUDR
Das Waldrecht ist in Deutschland Ländersache. Nach den Landeswaldgesetzen ist die gewöhnliche Holzernte — Durchforstung, Einzelstammentnahme — genehmigungsfrei; nur Kahlhiebe ab einer bestimmten Größe sind je nach Bundesland anzeige- oder genehmigungspflichtig (z. B. Baden-Württemberg über 1 ha Genehmigung, Niedersachsen über 1 ha Anzeige, Sachsen und Nordrhein-Westfalen über 2 ha, Bayern außerhalb des Schutzwalds gar nicht). Für Schadholz gelten zusätzlich Ausnahmen: Die Aufarbeitung geschädigter Bestände nach Sturm oder Käferbefall ist etwa in Baden-Württemberg (§ 15 Abs. 7 LWaldG) und Niedersachsen (§ 12 NWaldLG) ausdrücklich von der Genehmigungs- bzw. Anzeigepflicht befreit, wenn sie wirtschaftlich geboten oder aus Gründen des Waldschutzes erforderlich ist.
Für die EUDR heißt das: Die meisten deutschen Waldbesitzer haben KEINE Bewilligungsnummer, die sie eintragen könnten — und brauchen trotzdem eine Sorgfaltserklärung beim Verkauf. Die Legalität der Ernte belegen Sie in diesem Fall damit, dass nach dem einschlägigen Landeswaldgesetz keine Genehmigung erforderlich war; das Bundesland und die Art der Maßnahme genügen als Begründung.
In Timberlog erfassen Sie diesen Fall mit einem Eintrag „keine Genehmigung erforderlich" samt Begründung; wo eine Genehmigung vorliegt (z. B. Kahlschlag), tragen Sie deren Nummer ein.
Geodaten: Flurstück, GPS-Punkt oder Polygon
Die Erklärung braucht die Lage der Erntefläche — auf eine von drei Arten: Katasterkennzeichen (Gemarkung, Flur und Flurstück — ohne Koordinaten), WGS84-Punkt mit Flächenangabe (unter 4 ha) oder Polygon/GeoJSON (ab 4 ha). Für kleine Betriebe soll nach dem AVV-Entwurf zusätzlich die Postanschrift zulässig sein, wenn sie die Fläche eindeutig bezeichnet.
Die Flurstücksbezeichnung kennen die meisten Waldbesitzer aus dem Grundbuchauszug oder dem Grundsteuerbescheid; die Geoportale der Bundesländer zeigen die Flurstücksgrenzen auf der Karte. Wer lieber einen Punkt setzt: Ein GPS-Punkt mit dem Handy, aufgenommen im Bestand, genügt für die meisten Privatwaldflächen. Timberlog erfasst den Punkt mit einem Tastendruck direkt im Formular und exportiert ihn später als GeoJSON-Datei in WGS84 für das EU-Informationssystem.
Was in der vereinfachten Erklärung steht
Kleinst- und Kleinbetriebe, die als Primärproduzenten Holz aus einem Land mit geringem Risiko in Verkehr bringen, geben nicht je Lieferung, sondern einmal eine Erklärung für ihr gesamtes Holz ab. Angegeben wird eine geschätzte Jahresmenge; die tatsächlichen Verkäufe müssen sie nicht kubikmetergenau treffen. Für die deutsche Praxis sind das die Felder:
- Betrieb: Name und Anschrift; die EORI-Nummer nur, wenn der Betrieb eine hat (Waldbesitzer meist nicht).
- Ware: Zolltarifnummer je Sortiment — Rundholz unter 4403 mit Unterposition nach Baumart (z. B. 4403 23 Fichte/Tanne ab 15 cm, 4403 93 Buche, 4403 91 Eiche), Brennholz unter 4401 — jeweils mit Handelsname und geschätzter Nettomasse in Kilogramm.
- Baumarten und geschätzte Jahresmenge in Festmetern.
- Erzeugungsland: Deutschland.
- Lage der Fläche: Gemarkung und Flurstück, GPS-Punkt oder GeoJSON (siehe oben).
- Legalität: Genehmigungsnummer, falls vorhanden — sonst der Vermerk, dass die Ernte nach dem Landeswaldgesetz genehmigungsfrei war.
Ablauf im EU-Informationssystem (TRACES) für deutsche Betriebe
- 1
EU-Login anlegen und im EU-Informationssystem die Rolle „EUDR Micro & Small Primary Operator" für Deutschland beantragen. Als Kennung dient die Steuernummer bzw. USt-IdNr. (TIN); eine EORI-Nummer ist nicht nötig. Für die Anmeldung ist eine Authenticator-App Pflicht — SMS-Codes werden nicht mehr angenommen. Nach Bestätigung der Rolle einmal ab- und wieder anmelden.
- 2
Unterlagen zusammenstellen: Flurstücke oder GPS-Punkte der Ernteflächen, Baumarten und eine ehrliche Schätzung der Jahresmenge; Genehmigungsbescheide nur, wo es sie gibt.
- 3
Vereinfachte Erklärung anlegen: Betriebsdaten, Zolltarifnummer(n), Baumarten, Jahresmenge, Fläche (Flurstück eintragen, Punkt setzen oder GeoJSON hochladen) und in den Zusatzinformationen der Hinweis zur Genehmigung bzw. Genehmigungsfreiheit.
- 4
Erklärung signieren. Danach zeigt die Liste Ihrer Erklärungen die Referenznummer (die Verordnung nennt sie bei der vereinfachten Erklärung „Identifikationsnummer"); die zugehörige Verifikationsnummer ist in der Erklärung hinter dem Augen-Symbol verborgen. Notieren Sie beide — Abnehmer brauchen sie zur Prüfung (in Timberlog: Status „Abgegeben").
- 5
Beim Verkauf an Sägewerk oder Händler die Referenz- und Verifikationsnummer weitergeben; die Nummern fünf Jahre aufbewahren.
- 6
Später aktualisieren statt neu einreichen: Kommt eine neue Fläche hinzu oder ein neues Sortiment (anderer HS-Code), ändern Sie die bestehende Erklärung über „Update" — die Referenznummer bleibt dieselbe.
Sonderfall Forstbetriebsgemeinschaft (FBG)
Viele deutsche Kleinwaldbesitzer vermarkten ihr Holz über eine Forstbetriebsgemeinschaft oder einen anderen forstwirtschaftlichen Zusammenschluss. Entscheidend für die EUDR ist, wer das Holz erstmals in Verkehr bringt: Vermittelt die FBG den Verkauf nur in Ihrem Namen und auf Ihre Rechnung, bleiben Sie der Marktteilnehmer und geben die Erklärung selbst ab.
Der AVV-Entwurf des BMLEH sieht vor, dass ein Zusammenschluss, der das Holz seiner Mitglieder selbst in Verkehr bringt, eine gemeinsame Sorgfaltserklärung abgeben kann. Wie Ihre FBG das handhabt, sollten Sie vor der Saison 2026/27 klären — und in jedem Fall Ihre Flurstücke und Mengen so dokumentieren, dass Sie sie der FBG oder dem EU-System liefern können.
Timberlog für deutsche Waldbesitzer
Das EUDR-Modul in Timberlog bildet genau diesen Ablauf ab: Sie legen eine Nutzung mit oder ohne Genehmigungsnummer an, nehmen den GPS-Punkt der Fläche mit dem Handy auf, und jede Messung wird ab dann automatisch dieser Nutzung zugeordnet. Aus den Messungen entsteht die Erklärung in der Reihenfolge des EU-Formulars — Zolltarifnummern, Menge in Festmetern und Kilogramm, Lage der Fläche, GeoJSON in WGS84 zum Hochladen — in unter fünf Minuten. Ändert sich später eine Fläche oder ein Sortiment, erinnert die App an das Update.
Erfassen, automatische Dokumentation und die Ansicht der Erklärung sind die ganze Saison kostenlos; bezahlt wird nur der Export bzw. die Abgabe der Erklärung.
Häufige Fragen (EUDR Deutschland)
Brauche ich in Deutschland eine Genehmigung für die Holzernte?
Das regelt das Landeswaldgesetz Ihres Bundeslandes — die gewöhnliche Ernte ist meist genehmigungsfrei, größere Kahlschläge sind teils beschränkt oder genehmigungspflichtig. Unabhängig davon gilt: Der VERKAUF des Holzes braucht ab 30.12.2026 eine EUDR-Sorgfaltserklärung.
Ich habe keine Genehmigungsnummer — was trage ich in die Erklärung ein?
Den Hinweis, dass die Ernte nach dem Landeswaldgesetz Ihres Bundeslandes genehmigungsfrei war, mit der Art der Maßnahme (z. B. Durchforstung, Käferholz). Eine Nummer ist kein Pflichtfeld; die EUDR verlangt den Nachweis der Legalität, nicht einen Bescheid.
Reicht die Flurstücksnummer statt Koordinaten?
Ja. Das EU-System akzeptiert das Katasterkennzeichen (Gemarkung, Flur, Flurstück) anstelle von Koordinaten. Alternativ genügt unter 4 ha ein GPS-Punkt mit Flächenangabe; ab 4 ha ist ein Polygon (GeoJSON) vorgesehen. Kleine Betriebe sollen nach dem AVV-Entwurf auch die Postanschrift verwenden dürfen.
Ich vermarkte über eine Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) — wer erklärt?
Entscheidend ist, wer das Holz erstmals in Verkehr bringt. Vermittelt der Zusammenschluss den Verkauf in Ihrem Namen und auf Ihre Rechnung, bleiben in der Regel Sie der Marktteilnehmer. Der AVV-Entwurf des BMLEH sieht vor, dass ein Zusammenschluss, der das Holz seiner Mitglieder in Verkehr bringt, eine gemeinsame Sorgfaltserklärung abgeben kann. Klären Sie die Rollenverteilung im Zweifel mit Ihrer FBG.
Muss ich die EUDR-Erklärung in Deutschland jedes Jahr neu abgeben?
Ja. Sie wird einmal vor dem ersten Verkauf nach dem 30.12.2026 abgegeben und bleibt gültig; die Referenznummer ändert sich nicht. Ein Update ist nur nötig, wenn eine neue Fläche, ein neues Sortiment (anderer HS-Code) oder eine geänderte Risikoeinstufung Deutschlands hinzukommt. Eine abweichende Erntemenge allein löst kein Update aus.
Was wird das Sägewerk von mir verlangen?
Die Referenznummer Ihrer Erklärung — Sie müssen sie als Marktteilnehmer an den Käufer weitergeben (Art. 4 Abs. 7 EUDR), z. B. auf Rechnung oder Lieferschein; das Sägewerk bewahrt sie fünf Jahre auf. Die Verifikationsnummer ist keine Pflichtangabe, das Sägewerk braucht sie aber, wenn es Ihre Erklärung im EU-System prüfen will. Liefert ein Waldbesitzer keine Referenznummer, darf das Sägewerk das Holz ab dem 30.12.2026 nicht weiterverkaufen — halten Sie die Nummer deshalb schon beim ersten Verkaufsgespräch bereit.
Kann der Staat die Erklärung für mich abgeben?
Die Verordnung (Art. 4a, seit Dezember 2025) lässt das zu: Sind alle Angaben der Erklärung bereits in einer staatlichen Datenbank vorhanden, müssen Kleinst- und Kleinerzeuger keine Erklärung abgeben — der Mitgliedstaat stellt die Daten im EU-System bereit. Deutschland hat so etwas mit Stand September 2026 nicht angekündigt (Zuständigkeit: BLE); rechnen Sie damit, die Erklärung selbst oder über einen Bevollmächtigten abzugeben.
Ich verheize mein Holz selbst — bin ich betroffen?
Nein. Eigenverbrauch ist kein Inverkehrbringen. Sobald Sie aber auch nur einen Teil verkaufen — etwa Brennholz an Nachbarn oder Stammholz an einen Händler — braucht dieser Teil eine Sorgfaltserklärung.
EUDR-Aufzeichnung in Timberlog — kostenlos die ganze Saison
Nutzung anlegen, Flurstück oder GPS-Punkt erfassen, jede Messung automatisch dokumentiert — und die Sorgfaltserklärung in unter fünf Minuten. Das Erfassen kostet die ganze Saison nichts; laden Sie die App und beginnen Sie mit der laufenden Ernte.
Mehr zum EUDR-Modul →Timberlog unterstützt Sie beim Erfassen und Aufbewahren Ihrer Daten. Die App ersetzt keine Rechtsberatung und garantiert keine EUDR-Konformität; die Sorgfaltserklärung reichen Sie selbst im offiziellen EU-Informationssystem ein. Dieser Leitfaden gibt den Stand der Vorschriften und des AVV-Entwurfs im September 2026 wieder.